Unsere Expert*innen

Drei Fachkräfte aus Regensburg, die Hilfen für obdachlose Menschen anbieten, zum Alltag mit Corona.

Betteln während Corona

"Wir hören schon, dass das Schnorren draußen mit Maske schwieriger ist. Wenn jeder Abstand wahren soll und es kommt jemand auf einen zu und sagt: "Du, kann ich Dich mal was fragen?", dann ist man derzeit tendenziell reservierter. Um das zu bekommen, was sie früher in einer Stunde gemacht haben, brauchen Klienten jetzt um ein Vielfaches mehr Zeit. Ich hatte gestern wieder eine Hilfesuchende in der Beratungsstelle, die sagte: ‚Ich komme wieder zu Euch, obwohl ich weiß, dass ich keinen Hilfeanspruch habe - aber es geht einfach nichts. Ich bin seit Stunden draußen, versuche zu schnorren und bekomme nichts zusammen."
(Michael Hiltl, Kontakt Regensburg e.V.)

Medizinische Versorgung

„Ich glaube, wenn Menschen seit Jahren auf der Straße sind, dann ist es ihr letzter Schutz, den sie haben. Das, was sie anhaben. Denen muss man sich sehr vorsichtig nähern. Am Anfang gebe ich mich auch mal damit zufrieden, dass ich nur den Puls fühle, weil ich erst mal froh bin, dass sie überhaupt da sind.“
(Dr. Eva Gutdeutsch, Rafael e.V.)

Hilfen während Corona

„Die Hauptproblematik für die Klienten lag eigentlich bei den Behörden. Das Phänomen hatten wir ja bei Suchtkranken sowieso schon, wenn sie im bürokratischen Netz gefangen sind, dass das eine Amt sagt ‚Wir sind nicht zuständig’, schicken sie zum anderen Amt und die sind aber auch nicht zuständig und da verzweifeln sie sowieso schon. Und jetzt durch Corona, durch die Kontaktbeschränkung, wird die Niedrigschwelligkeit, die nie niedrigschwellig war, also die Schwelle immer höher gesetzt.“
(Ben Peter, Caritasverband)

„Wir sind da und wer kommt der kommt.“
(Dr. Eva Gutdeutsch, Rafael e.V.)

Übernachten

„Die Stadt hat dann eine alte Kaserne gefunden, wo es mehr Zimmer gibt und dann sind sie umgezogen mit der Obdachlosenunterkunft und haben die Belegungsdichte reduziert. Im Nachhinein könnte man sagen, das hat dazu geführt, dass da kein Corona ausgebrochen ist.“
(Ben Peter, Caritasverband)

„Und da hat die Polizei erst mal ein paar Mal Druck gemacht, die Klienten immer wieder aufgescheucht, dass sie den Schlafplatz wechseln mussten und dann haben sie selber auch resigniert. Vielleicht haben sie auch eingesehen, dass es auch nichts bringt. Die Leute von der Straße wegholen ist schon schön, aber meine Ansicht ist immer, dass man im öffentlichen Raum, wenn man dann den Abstand einhält, halt die wenigste Gefahr hat sich anzustecken.“
(Ben Peter, Caritasverband) 

Achtung

„Ich glaube, dass es gesellschaftlich die Akzeptanz braucht, dass das Menschen sind, die vielleicht zweimal falsch abgebogen sind und die genauso eine Achtung erfahren sollten, wie alle anderen auch. Und ich glaube, wenn man akzeptiert, dass manche Menschen einfach nicht in das System passen, dann ist ihnen schon sehr geholfen.“
(Dr. Eva Gutdeutsch, Rafael e.V.)

Platz für alle

„Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, die werden ihr ganzes Leben lang einen Hilfebedarf habe. In unserer Gesellschaft sollte dies auch leistbar sein, dass sich nicht nur die Stärkeren durchsetzen, sondern dass für alle Platz und Raum ist, ein glückliches Leben zu verbringen. Ja, das sollte die Idee in unserer Gesellschaft sein.“ 
(Michael Hiltl, Kontakt Regensburg e.V.)